architektur



KULTURFORUM BERLIN - GÄSTEHAUS

Wettbewerb

Garten-Landschaft:
Prof. Dr. Dorothee Fischer- Leonhard

Kunst- Licht- Kugel:
Thomas Emde link


 A. Konzeptidee

1. Landschaftsplanerisches Konzept
2. Architektonisches Konzept
2.1 Baufeld A
2.1.1 Das Gästehaus
2.1.2 Die Pavillone
2.2 Baufeld B- Das Hotel am Kemperplatz
3. Kunstkonzept- Die Licht- Farb- Kugel

A. Konzeptidee
Die Freiräume des Kulturforums erhalten durch die im Umfeld entstehende Nutzungsdichte einen neuen Stellenwert. Erschien das Kulturforum vor 10 Jahren noch als weiträumig in einer darüberhinaus kargen Stadtbrache und in Randlage zu den beiden Stadthälften, so bildet sich jetzt ein neues Anforderungsprofil für diesen zentralen Ort heraus. Das Kulturforum ist kulturelles Forum der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland geworden, ist Dreh- und Angelpunkt zwischen den vereinigten Stadthälften, die Museumslandschaft wird in Kürze erweitert, namhafte Weltkonzerne haben ihren Sitz in unmittelbarer Nähe genommen. Vor diesem Hintergrund gilt es nun, die von Hans Scharoun konzipierte Stadtlandschaft zu vollenden, und gleichzeitig in eine den oben formulierten Anforderungen würdige und zeitgemäße Form zu bringen. Dazu werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: Die Fläche zwischen Nationalgalerie und Kammermusiksaal sowie Potsdamerstraße und Piazetta wird als Forumsplatz ausgebildet. Es erscheint zwingend notwendig, die städtebauliche Einbindung der St. Matthäus- Kirche neu zu interpretieren und sie in den Kontext der neu vorgeschlagenen Gebäude zu stellen. Der Platz umgibt dabei die Kirche, die Mätthäikirchstraße führt von der Tiergartenstraße bis zum nördlichen Forumsplatzrand. Als Referenz an den historischen Kontext mit dicht bebauter Umgebung, wird die Kontur des alten, damals städtebaulich gültigen Mätthäikirchplatzes reliefartig in die neue Platzdecke eingearbeitet. Die äußeren Platzkanten nehmen die nördlichen Kanten der Nationalgalerie auf. Die Scharounstraße legt sich als interne Straße an die nördliche Platzkante. Durch den Bau der Cafeteria an der westlichen Platzkante erhält dieser auch hier eine räumliche Fassung, die den Charakter der Piazetta als Museumsvorhof weiter stärkt. An der östlichen Forumsplatzkante wird eine Serie von 9 Pavillonen vorgeschlagen, die den Platz zur verkehrsreichen Potsdamerstraße abschirmen und einen Filter zwischen Straße (Bewegung) und Platz (Aufenthalt) bilden. Unmittelbar hinter den ersten 3 Pavillonen, die als Informationspavillon und Buchladen genutzt werden, liegt das auch über die Pavillone zugängliche gläserne Gästehaus der St. Matthäusgemeinde in einem abgesenkten Innenhof. Dadurch bleibt die Nationalgalerie von Mies van der Rohe unverstellt und in ihrem Duktus als erhobener Tempelbau auf einem Sockel unberührt. Platzfläche, Sockel und Säulenhalle der Nationalgalerie stehen in einem typologischen Zusammenhang. Seine hohe Aufenthaltsqualität erhält der Forumsplatz durch Baumhaine aus Schirmplatanen und künstlerische Objekte. Vorgeschlagen wird die Realisierung einer 15 Meter messenden begehbaren Licht- Farb- Kugel. Außerhalb des Forumsplatzes sind die Museumsbauten in eine landschaftlich geprägte Aussenraumgestaltung in Form von Rasenwellen eingebettet.

1. Landschaftsplanerisches Konzept
Die Problemstellung des Ortes, zeigt sich in der Vielfältigkeit als auch Einmaligkeit der baulichen Solitäre und deren Einbindung in den städtebaulichen Kontext durch eine landschaftsplanerische Lösung, die ohne prinzipielle und übergeordnete strukturelle archtektonische Maßnahmen unlösbar erscheint, wie der Auslober treffend feststellt. Durch die von Hermann Mattern in den sechziger Jahren vorgegebene Gestaltung, werden die Scharoun- Gebäude in hervorragender Weise landschaftlich gefaßt. Seine polygonale Formensprache unterstützt und unterstreicht den Baustil Scharouns. Heute jedoch, ist das Gebiet durch mehrere voneinander losgelöste Bauwerke und unterschiedliche Architekturauffassungen gekennzeichnet. Die Aufgabe von landschaftsarchitektonischen Maßnahmen kann nur die Zusammenführung aller vorhandenen baulichen Komponenten sein.

Im vorliegenden Konzept sind folgende Freiraumstrukturen prinzipiell miteinander kombiniert:
- der Platz, die Rasenwelle, die Winkelmauer, die Gehölzstruktur Im Zentrum der Museumsbauten befindet sich der öffentliche Platz (Forum), dessen Rasterstruktur sich auf das Bauraster der Nationalgalerie bezieht. Als starker, in sich ruhender Baukörper, liefert sie die auf den Platz projizierbare Grundstruktur, die alle anderen Baukörper verbinden kann. Elemente der Platzgestaltung:
- das Pflasterraster
- der Baumhain
- die Licht- Farb- Kugel
- die Gebäude
Ausgehend vom Forum gibt es die Verbindungen zur Piazetta über die Freitreppe und zum Tiergarten über eine baumbestandene Allee mit Eingangsfollie am Tiergartenrand. Die Rasenwelle:
- Die organisch geformten Rasenwellen setzen die Gebäude in ein grünes Gewand, das sich bis zum Forum ausbreitet. Es ist jederzeit erweiterbar. Als Akzent dienen die von Mattern im Kulturforum favorisierten Ölweiden. Die Rasenwellen werden durch 60- 70 cm hohe Mauern beidseitig begrenzt. Winkelmauern an der Staatsbibliothek:
- Die heute vorhandene Aussenraumgestaltung im Sinne Matterns wird ergänzt und erweitert. Die Ölweide wird punktuell eingesetzt.

Die Eingangszone wird durch eine lockere Gehölzstruktur betont.

2. Architektonisches Konzept
2.1 Baufeld A
2.1.1 Das Gästehaus
Das zweigeschossige Gästehaus im abgesenkten Innenhof (7,20 m tief) ist vierseitig vom Platz über Treppen und zusätzlich über die Pavillone erreichbar. Das Gästehaus wird gebildet aus einem den Innenhof umgebenden völlig verglasten Gebäuderiegel mit möglichem begehbarem Glasdach und dem im Hof stehenden Probenraum (Mehrzweckraum, ca. 250 qm), der den Lichthof in 4 Hofbereiche gliedert. Der Probenraum erhält neben den kreisrunden Fenstern und dem Lichtband diesselbe Materialität wie der Platz. Neben den Räumlichkeiten für Gäste sind noch Ateliers und Studios unter der Patzdecke angeordnet, die über die Treppenschlitze belichtet werden.

2.1.2 Die Pavillone
Alle 9 Pavillone sind ebenfalls bis 7,20 m in die Erde gebaut und zunächst miteinander verbunden. Die Pavillone unterscheiden sich in Lichtpavillone und Treppenpavillone. Sie sind mit einem tragenden profillosen Sockel aus Verbundglas und einem darauf ruhenden Massivkorpus in der Materialität des Platzes konzipiert. Die Platzfläche führt bis in die Pavillone hinein, was besonders in beleuchtetem Zustand bei Nacht den Eindruck der darüber "schwebenden" Kuben betont und den Durchblick auf den Platz ermöglicht. Neben den geforderten Räumlichkeiten können diese z. Bsp. eine Bar am Kulturforum, künstlerische Themengastronomie oder Kunst aufnehmen. 2.2 Baufeld B- Das Hotel am Kemperplatz Das Grundstück liegt am Übergang der Architekturlandschaft zur Blockstadt des Potsdamer Platzes, deren Vorsprungslose Fassaden ca. 30 m aufsteigen. Das Gebäude, welches an dieser Stelle konzipiert wird, liegt an einem der spannendsten Brennpunkte in dieser Stadt. Geballte Kultur und geballte Urbanität bei gleichzeitig überragendem Aussenraumangebot kennzeichnen diese Lage. Das vorgeschlagene Hotel öffnet sich deshalb zum Aussenraum- nach Süd mit seiner Halle und den gastronomischen Bereichen zum Forum, nach Ost und West mit großzügig verglasten Hotelzimmern deren liegende Fensterformate an den Hochhausentwurf am Kemperplatz von Erich Mendelsohn erinnern. Die Zufahrt zum Hotel mündet auf Höhe der Tiefgaragenzufahrt der Staatsbibliothek auf das Grundstück des Baufeldes B, vorbei an der zugehörigen Tiefgarageneinfahrt in Form eines großen lichtoffenen, und in die Landschaftsarchitektur integrierten Auges zum Vorplatz. Die Garage erstreckt sich bis in die Nähe des Kammermusiksaals und kann an die dortige Tiefgarage angebunden werden.

3. Kunstkonzept- Die Licht- Farb- Kugel
Über eine in die Erde führende Rampe gelangt man in die Kugel. Unter der Kugel befindet sich eine Hebebühne, die jeweils nur einen Besucher in die Kugel hebt. Der Besucher befindet sich dort in einem Raum ohne Fugen. Kanten, Schatten oder Proportionen. Außerhalb der Kugel befinden sich Heliostaten mit ca. 2,50 m Durchmesser die mittels eines Computers immer der Spur der Sonne folgen. Der Heliostat leitet das eingefangene Sonnenlicht zu einem am obersten Punkt der Kugel angebrachten Prisma. Über eine Schlitzblende wird je nach Tageszeit und Lichtverhältniss ein anderer Spektralbereich des Sonnenlichts in die Kugel projiziert: morgens violett, dann blau, grün, gelb, orange, gelb und abends rot. Der Mensch erlebt hier im Inneren der Kugel durch Farbveränderungen eines der fundamentalsten Naturphänomene, welches das Leben des Menschen massiv bestimmt- die Ausrichtung menschlichen Lebens auf den Wechsel zwischen Tag und Nacht- welches aber durch die dem High- Tech- Zeitalter geschuldete Entfremdung kaum noch wahrgenommen wird.



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