architektur



UMWELTBUNDESAMT DESSAU

Projekt

Gebäudetechnik:
HL- Technik, München

Garten-Landschaft:
Prof. Dr. Dorothee Fischer- Leonhard


Der Neubau des Umweltbundesamtes als zweigeteilter Rundbau mit Innenhof positioniert sich an der geplanten Bahntangente. Der Haupteingang liegt westlich nebem dem Wörlitzer Bahnhof. Das Gebäude ist qua Definition ein Objekt im Grünzug und als solches geleichzeitig Durchgang und Endpunkt - Endpunkt der ehemaligen Gleisanlagen und Durchgang der durch den Grünzug führenden Durchwegung - auch Verbindung zum Erweiterungsbau am Ende der Hans- Heinen- Straße vom Hauptbahnhof.
Das Gebäude erschließt sich sowohl für Besucher wie auch Mitarbeiter über den Innenhof. Die Ausrichtung nimmt sowohl die Spur der Gleise auf, die als Metallschienenraster wiederkehren, und führt auch den Grünzug durch das Gebäude hindurch und in das Gebäude hinein. Der Innenhof soll ruhiger Pol, grüne Oase, kommunikativer Ort und Klimapuffer zugleich sein. Hier öffnet sich das Gebäudeinnere ganz dem Mitarbeiter und Besucher. Büro´s, flexible offenen Zonen und die Körper der Bibliothek und Hörsaals sind im hallenartigen Korpus sichtbar. Hier kreuzen sich nicht nur die Wege zwischen Menschen untereinander, sondern auch die Wege mit der Natur, die konzeptionell durch einen Themenpark, lichtdurchflutete Innenhöfe, Dachterrassen und ein extensiv begrüntes Dach mt eingebunden ist. Der westlichen Gebäudetrakt in Ausrichtung und Ausblick zum Tierpark mit Mausoleum nimmt dabei die überwiegend öffentlichen Nutzungen auf (Information, Kino, Hörsaal, Ausstellung, Bibliothek, usw.) während der östliche Trakt die Fachbereiche beherbergt.

Städtebauliche Zielsetzung
Mit dem Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau im Gasviertel erhält nicht nur das engere Umfeld eine bedeutende neue Institution sondern auch die Stadt insgesamt. Rückbau der Industrieanlagen, Modernisierung der Infrastruktur und Verkehrsanlagen verändern maßgeblich gerade diesen Bereich Dessaus. Das Gasviertel, in einer typischen zwischen Blockstadt und mächtigen Bahnanlagen gelegenen Zone, bedarf einer Neudefinition. ?Das Projekt interpretiert das Wettbewerbsgebiet als ein der Blockstadt vorgelagertes mit parkartigen Grünzügen durchzogens Areal von Objekten (hauptsächlich Industrie) welches sich von Norden über das Wettbewerbsgebiet bis zum Bahnhofsvorgarten erstreckt. Die Blockstadt wird östlich durch die Hans- Heinen-Straße begrenzt, südlich durch die Bitterfelderstraße. Auf der westlichen Seite der Hans- Heinen- Straße entwickelt sich eine zweiseitig orientierte Randbebauung zum Grünzug. Der vorgesehene Erweiterungsbau des Umweltbundesamtes bildet ein Zwischenstück in dieser städtebaulichen Figur. Die geplante Straße von der Brücke in Richtung Humperdinckstraße bekommt in diesem Bereich den Charakter einer Parkway. Der Grünzug verbindet das Gelände des Umweltbundesamtes sowohl mit dem Bahnhofsvorplatz als auch mit den Baumalleen der nördlichen Schillerstraße und dem Funkplatz.

Das Haus des Umweltbundesamtes als Organismus
Der Neubau des Bundesumweltamtes versteht sich als lebendiger Gebäudeorganismus. Mit intelligenter Gebäudetechnologie werden die natürlichen Gegebenheiten genutzt um das Gebäude resourcensparend zu betreiben. Gleichzeitig werden alle Bedingungen geschaffen, um eine optimale Leistungsfähigkeit und Behaglichkeit für die Nutzer des Hauses zu erreichen. Alle Baumaterialien sind natürliche Materialien die besonders auf Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit ausgelegt sind : Klinker (in der Region gebrannter Ton), Glas, Holz (Türen, Trennwände), Metall, Naturstein, Linoleum.
Im ökologischen Gesamtkonzept übernimmt das Atrium des Hauses eine besondere Rolle. Durch die variabel steuerbare Dachmembran wirkt der Luftraum wie ein solarer Pufferraum zwischen Gebäudeinnerem und Außenraum. Durch das Schließen der Dachhaut ist eine Optimierung des Verhältnis von Außenfläche zur Innenfläche möglich und das Einfliesen winterlicher Kaltluft wird verhindert.Transluzente Stoffbahnen dienen im Sommer zusätzlich als Sonnenschutz und bilden im Winter zusammen mit der Glashaut ein Luftpolster welches die Pufferwirkung noch verstärkt. Die hohe Variabilität des Gebäudes stellt sicher,daß das Außenklima der jeweiligen Jahreszeiten jeweils zur Optimierung des Innenraumklimas genutzt werden kann. Die thermische Behaglichkeit wird im Winter durch geringe Wärmedurchgangskoeffizienten im Fassadenbereich erzielt, so daß angenehme Oberflächentemperaturen erzielt werden. Die äußere Fassade wird als Lochfassade mit Fensterelementen als hinterlüftete Kastenfenstern aus Holz ausgebildet werden. Die Kombination mit Wärmeschutzverglasung sowie die im äußeren Bereich vorgestellten Glaselemente reduzieren den Wärmeverbrauch erheblich und veringern die Schallemissionen. Die Kippstellung der Fenster ermöglicht eine natürliche Durchlüftung der Räume und stellt die hygienische Behaglichkeit, d.h. Abfuhr von Geruchs- und Schadstoffen. Je nach Luv- und Leesituation des Gebäudes ergeben sich hierbei bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von 3m/sec. ein zwei bis zehnfacher Luftwechsel (einstellbar mit Kippflügel mit Bremsschere). Durch einen innenliegenden Blendschutz werden Blendungen vermieden und die visuelle Behaglichkeit erhöht. Ein außenliegender Sonnenschutz hinter der außenliegenden ESG Verglasung verhindert ein zu starkes Aufheizen der Räume im Sommer. Die innenliegenden Zonen,die dem ständigen Aufenthalt von Personen dienen, erhalten einen unterstützende mechanische Belüftung. Die innenliegenden Wände sollen aus Ziegelmauerwerk und Glas bestehen. Die atmungsaktiven Ziegelflächen sorgen für ein angenehmes Raumklima. Wasserdampf wird absorbiert und an die Raumluft wieder abgegeben. Um die sommerlichen Raumtemperaturen zu minimieren wird auf abgehängte Decken in den Büros verzichtet. Es erfolgt somit eine teilweise Kompensation der Kühllasten durch die Speichermassen der Decken. Die thermoaktive Decke, über die die Räume beheizt oder gekühlt werden können (Anbindung an Vierleiter- Umschaltsystem) sorgen für angenehme Innenraumtemperaturen ( Raumtemperatur +28° bei +32° Außentemperatur). Durch die Auskühlung der speichernden Decke mittels Bauteilkühlung und Nachtdurchlüftung werden die Bauteile soweit aktiviert, daß die Räume in den Morgenstunden im Hochsommer angenehm kühl sind. Zur Erzeugung der noch notwendigen Kühlenergie dient eine Wärmepumpe (elektrisch betrieben). Diese stellt Kaltwasser für das Rechenzentrum, Raumlufttechnische Anlagen sowie, Küchenbereiche und Vortragssäle sowie Kühlwasser für die themoaktiven Decken zur Verfügung. Die Innenhoffassade öffnet sich ganz zum Hofbereich und dient als Membran zur hinter der Glasfassade liegenden Speichermassen (Hörsaal, Sitzungssäle usw.) Je nach Jahreszeit ist es möglich, passive Solarenergiegewinne zu nutzen. Eine Niedertemperaturheizung ergänzt die benötigte Wärmeenergie der Räume. Im Winterbetrieb kann über Pfahlsonden im Schlitz-wandbereich Wärmeenergie aus dem Erdreich genutzt werden.Im Sommer wird über das gleiche System das Gebäude gekühlt. Der Grundbedarf an Wärmeenergie soll über Brennstoffzellen gedeckt werden, der Spitzenenergiebedarf wird aus dem Fernwärmenetz (Vorlauftemperatur Winter 115°, Vorlauf Sommer 90°C ) entnommen. Darüber hinaus wird die Wärmepumpe miteingebunden um insbesondere die Bauteilheizung im Niedrigtemperaturbereich zu decken. Wärmeenergie in höheren Temperaturbereichen, insbesondere die Disorptionskühlanlagen und Nacherhitzer, wird aus der Brennstoffzelle b.z.w. dem Fernwärmenetz bezogen. Nebennutzflächen wie Vortragsbereiche, Küche, Kantine und Bibliothek die sich nicht dauerhaft natürlich belüften lassen, werden mechanisch belüftet, wobei ein Teil der nicht geruchsbeladenen Fortluft nach der Erwärmung als Zuluft für die Garagen genutzt wird. Feuchtgrüne im Wasser stehende Bambuspflanzen wirken staubbindend und befeuchten die Innenraumluft . Alternativ zu konventionellen Bewässerungskonzepten soll das auf den Dachflächen anfallende Brauchwasser zur Bewässerung der Dachgärten und des Innenhofes benutzt werden . Dabei soll das Regenwasser über die Sedumbegrünung auf den Dachflächen vorgefiltert und in Zysternen im Dachgeschoß gesammelt werden. Das Zusammenspiel aus Gebäudekörper, hochwertigen bauklimatischen Ausbildungen in den Bauelementen (Fassade/ Konstruktion) runden das Gesamtkonzept ab.

Der Garten
Der Freiraum versteht sich als Teil der Wörlitzer Landschaftsidee und steht durch die räumliche Nähe in enger Beziehung zu dem Freiraum des Georgiums. Dabei versucht der Freiraum nicht wie im Wörlitzer Landschaftsraum die Natur nachzuahmen und ein vollkommenes Stück Natur zu simulieren, sondern thematisiert durch Sichtbarmachung des wiedergewonnenen Naturraumes im ehemaligen Industrieareal die Differenz zwischen Mensch und Natur. "Baumriesen" (prunus Serrulata) die das Gebäude umgeben stehen auf extensiv angelegten Grünflächen. Grüne Baumhecken (Larpinus Betulus) werden mit "Steinhecken" und "Eisenhecken" aus Abrißmaterial kontrastiert. Der " Grünzug" entwickelt sich entlang des Gartenweges aus heimischen Kalksteinplatten und Sandfeldern Richtung Norden und schließt am Grünzug im Norden des Wettbewerbsgebietes an. Der Paradiesgarten im Zentrum des Atrium´s bildet mit raumhohen Bambuspflanzen (Pyllostachys) in flachen Wasserflächen sowie Grün- und Kiesflächen eine artifizielle Oase. Die Bibliotheksgärten auf dem Dachgeschoß sind mit Apfelbäumen bepflanzt.


© CAParchitektur